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Obwohl sich Michelangelo zunächst der Malerei zuwandte, war er von Natur und Vorliebe aus mehr der Bildhauerei zugeneigt. Er wurde noch vor Ende seiner Ausbildungszeit als Maler an die Bildhauereischule versetzt, die von Lorenzo de’ Medici in den Medici-Gärten eingerichtet worden war. Bevor er eine Skulptur begann, machte er sich Gedanken über das meist religiöse Thema und die bestmögliche Aussagekraft der im Marmor schlummernden Figur, die er zu Leben erweckte: "Sie müssen atmen und leben und ihre Seelen im Stein erkennbar sein" so sagte er. Nach mehreren Monaten zeichnerischer Arbeit trat der Künstler zunächst oft mit einer Vielzahl an Entwürfen hervor, die an Schönheit und Großartigkeit selbst die bis dahin bekannten Denkmäler des Altertums übertrafen. Da in ihm der Maler gleichsam aus dem Bildhauer hervorgegangen war, strebte er in der Malerei durch perspektivische Verkürzung und Wirkung von Licht und Schatten die reale Darstellung der Skulpturen zu erreichen. MICHELANGELO der anerkannte DICHTER
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Satirisches Schweifsonett Michelangelos Sonette an Tommaso Cavalieri Nicht Sterbliches sahn meine Augen, als in deinen schönen aufging aller Frieden. Nein, eine Seele, Bösem abgeschieden, traf die verwandte, liebend ebenfalls. Wär sie nicht gottgleich, hätte sie Genügen am Außenschönen, das dem Aug gefällt, nichts mehr begehrend; doch, weil Bilder trügen, so geht sie über ins Gebild der Welt. Ich sage, das, was stirbt, befriedigt nicht Einen, der lebt. Nicht aus der Zeit genommen wird Ewiges; sie häutet sich zu sehr. Was seelentödlich aus den Sinnen bricht, ist keine Liebe. Unsre macht vollkommen die Freunde hier und durch den Tod noch mehr. Mit deinen Augen seh ich süßes Licht, das ich mit meinen blinden nicht mehr schaue, und, das ich, lahm, zu tragen mich getraue, mit deinen Füßen trag ich dies Gewicht. Dem Federlosen gibt dein Flügel Halt, dein Geist weiß mich zum Himmel zu entfachen, du hast die Macht, mich rot und blaß zu machen, im Froste heiß und in der Sonne kalt. In deinem Willen ist mein Wille drin. mein Denken wird in deiner Brust bereitet, in meine Worte weht dein Atem ein. Es scheint, daß ich dem Monde ähnlich bin. den unser Auge oben nur begleitet. soweit die Sonne ihn versieht mit Schein. Gebt meinen Augen wieder, Quellen, Flüsse. die starken Qellen, die nicht euer Eigen und die euch wachsen machen. höher steigen, als sonst der Brauch ist euerer Ergüsse. Und du, gedrängte Luft, die Himmelslichte mir dämpft, als ob sie ganz voll Seufzer wäre, gib sie ans müde Herz zurück und kläre dein Finstres meinem schärferen Gesichte. Die Erde selbst erstatte meinen Sohlen die Schritte wieder, ihrem Gras zuliebe, das Echo, meiner müde, mir den Klang; laß meinen Blick aus deinem Aug mich holen, daß ich zu anderm Lieben fähig bliebe bei deinem unbefriedigten Empfang. Ich wollte wollen, Herr, was ich nicht will: vom Feuer trennt das Herz ein Schleier Eises und dämpft die Glut; der Nachdruck des Beweises fehlt meiner Feder, und das Blatt hält still. Mit meiner Zunge lieb ich dich und dann beklag ich mich, die Liebe nicht zu spüren; wo aber stürzt sie denn, durch welche Türen, ins Herz und tut den schlechten Stolz in Bann. Zerreiß den Schleier, du, o Herr, zerbrich die Mauer, die mit ihrer Härte hindert dein Sonnenlicht, der Erde Angebinde. Schick deiner Braut des Glanzes Kunft, daß ich aufflammen kann und, länger nicht vermindert von Zweifeln, dich allein das Herz empfinde. Wenn keusche Liebe, die der Himmel sendet, Wenn auch das Glück zwei Liebende sich teilen, In einem Mitleid beider Wunden heilen, Wenn beider Herz zu einem Geist sich wendet, Zu einem Flug, der erst am Himmel endet, Weil eine Seele sich zwei Leiber teilen, Wenn Amor mit den spitzen, goldnen Pfeilen Im selben Feuer beide brennt und blendet, Wenn selbstlos jeder in dem andern Heil nur Und Freude und sein Wohlgefallen findet Und beide sich zu einem Ziel verschwören: Tausendmal dies wär' doch der kleinste Teil nur Der Liebe, die nun dich und mich verbindet; Verächtlichkeit allein kann sie zerstören. Übersetzung von Rainer Maria Rilke
Zitate
Michelangelos: |
© Jens Blinn 2009 Distanzierungserklärung |